Schirmfrau

Schirmfrau Dr. Ruth Heftrig

Geschäftsführerin des Berufsverbandes Bildender Künstler Sachsen-Anhalt e.V. (BBK) und selbstständige Kunsthistorikerin mit der Agentur Sichtwechsel

Liebe Besucherinnen, liebe Künstlerinnen, liebe Freundinnen der Frauenkulturen,

Es ist mir eine große Freude, einen Schirm über die 31. FrauenKulturTage zu spannen, diesen wichtigen Eintrag im herbstlichen Kulturkalender. Zwar verfolge ich die Aktivitäten des Dornrosa e.V. auch das Jahr über und schaue mir gelegentlich die Ausstellungen im Frauenzentrum Weiberwirtschaft an, doch sind neben dem Equal Pay Day und dem Frauentag vor allem die FrauenKulturTage ideal, um einen Blick auf den aktuellen frauenpolitischen Diskurs zu werfen.

Besonders freut es mich, den Schirm bei einem solch spannenden Thema hoch zu halten. Das Kulturelle Themenjahr der Stadt Halle (Saale) gegen den Strich zu bürsten, fügt spannende Facetten hinzu. Zudem ist es aus weiblicher Perspektive besonders relevant, wird „Die Dunkelheit“ doch meist zuallererst mit Gefahr oder Verbrechen assoziiert.

In der Stadt und im ländlichen Raum erlebe ich unter Eltern in meinem Umfeld besonders große Sorgen in Bezug auf ihre jugendlichen Kinder. Sätze wie „Nee, meine Tochter (14 Jahre) lasse ich nach Anbruch der Dunkelheit nicht mehr alleine durch die Stadt laufen!“ machen mich immer wieder fassungslos und traurig. Der öffentliche Raum, ob tags oder nachts, darf keine gefährliche Zone sein. Er ist schließlich einer der letzten Orte, wo sich unterschiedlichste Menschen jenseits der eigenen Bubble analog begegnen. Wir sollten als Gesellschaft dazu in der Lage sein, diesen öffentlichen Ort so zu gestalten, dass sich alle darin wohl und sicher fühlen können.

Das ist aktuell offenbar nicht der Fall. Die Folgen des Rückzugs aus der „Gefahrenzone“ sind furchtbar und setzen weitere Abwärtstendenzen in Gang: Junge Menschen lernen nicht mehr, selbst zu spüren, wann ein Ort gefährlich ist, oder sich selbst zu behaupten, und werden deshalb noch unmündiger, ängstlicher und isolierter. Dass sich die FrauenKulturTage mit einer abendlichen Stadtwanderung oder mit dem „Singen gegen Angst“ dieses Themas annehmen, finde ich richtig und wichtig.

Und so hoffe ich, dass die Dunkelheit für uns auch positive Facetten bereithält wie Nervenkitzel, Solidarität, Entspannung oder Ruhe. Ich bin mir sicher, dass auch die künstlerischen Positionen dazu beitragen werden!

Ruth Heftrig

Foto: Nora Mona Bach