Vorschau 2026

31. Hallesche FrauenKulturTage vom 06. November bis 22. November 2026

Die Dunkelheit – Antipode zu Stadt/Licht/Leben/Energie?!


Und die Stadt bedarf keiner Sonne noch des Mondes, dass sie scheinen…
Offenbarung 21/24

„Die Nacht zum Tage machen“ – dies scheint ein Ziel der allgegenwärtigen Fun- und Eventkultur zu sein und das urbane Leben der großen Städte selbst ordnet sich in diesen Rhythmus ein. Doch wir brauchen die Dunkelheit.
Heute leben 80% der Menschen unter lichtverschmutzten Himmeln – in Europa und in den USA sind es sogar 99 Prozent. Aber ausreichend Dunkelheit bei Nacht ist für die Gesundheit notwendig. Studien zeigen, dass Augenkrankheiten, Schlaflosigkeit, Übergewicht und vermutlich sogar Depressionen im Zusammenhang mit künstlichem Licht stehen. Kinder und Jugendliche, die in Gegenden mit künstlichem Licht leben, bekommen weniger Schlaf und leiden häufiger unter emotionalen Problemen. Weiterhin stören Bildschirme und weißes LED Licht in Innenräumen den Schlafrhythmus. Ebenso brauchen Tiere eine dunkle Nacht. Vögel verlieren über hellem Stadthimmel leicht die Orientierung und Insekten sind besonders durch die städtische Beleuchtung gefährdet.
Die städtische Dauerbeleuchtung hat auch Folgen für die Bäume. Sie treiben früher aus, wenn sie neben Straßenlaternen stehen und werden seltener bestäubt. Natürlich dunkle Nächte haben einen essenziellen Wert für alle Lebewesen auf diesem Planeten.

Die Stadt Halle (Saale) hat sich unter dem Motto „Licht aus!“ schon mehrfach an der Earth Hour beteiligt, so auch 2025. Earth Hour ist eine Aktion der Umweltorganisation WEF, mit der auf Umwelt- und Klimaschutz aufmerksam gemacht wird. Wir knüpfen daran an und wollen das Hallesche Jahresthema Stadt/Licht/Leben/ Energie von der dunklen Seite her beleuchten.
Wir wollen uns damit befassen, was Lichtverschmutzung ist, welche Negativwirkungen diese auf Umwelt, Mensch und Natur hat und wie das Zuviel an nächtlichem Kunstlicht sinnvoll und verantwortungsbewusst reduziert und auf ein für alle erträgliches Maß zurückgeführt werden kann. Es geht darum, ein Problembewusstsein bei den Menschen im Umgang mit Kunstlicht zu schaffen, sie zu sensibilisieren und die Lichtverschmutzung zu reduzieren.
Aber es geht auch darum, wie wir unsere individuelle Licht- und Energiehygiene gestalten können, sei es bei der Endlosnutzung der elektronischen Medien oder der im steten Standby befindlichen Haushaltsgeräte.

Genauso wichtig ist es uns, die positiven Seiten der Dunkelheit herauszustellen. Es besteht ein klarer Zusammenhang zwischen Dunkelheit und emotionalem Wohlbefinden. Zeit in völliger Dunkelheit zu verbringen, insbesondere unter sternenklarem Himmel, kann überraschende Auswirkungen auf unsere psychische Gesundheit haben. Erfahrungen des Staunens über die Größe des Universums sind mit einer Verringerung von Stress und einer Steigerung des emotionalen Wohlbefindens verbunden. Laut Experten hilft dieser Staunenszustand Entzündungen zu reduzieren und die Freisetzung von Hormonen zu fördern, die mit emotionalem Wohlbefinden in Verbindung stehen. Darüber hinaus wird Dunkelheit mit der Förderung von Kreativität und Introspektion in Verbindung gebracht.
Dunkle Räume, wie Theater und Kinos, schaffen eine Atmosphäre, die zur Reflexion und Vorstellung anregt und es dem Geist ermöglicht, sich von visuellen Ablenkungen zu befreien. Es ist wichtig, Dunkelheit als Kostbarkeit zu betrachten, wie im nachfolgenden Gedicht von Gerda Leiner:

Kostbarkeit

Bald ist das Tagewerk beendet,
es bringt die Dunkelheit hervor.
So öffnet sich der Sternenhimmel,
neben dem ein helles Mondentor.
Trete ein in die magische Anderswelt,
mein Blick ist klar, mein Herz ist weit.
Lass mich in Mitte dessen nieder,
und schöpfe aus dieser Kostbarkeit.

Jutta Jahn, Vorstand Dornrosa e.V.